Evangelien
Markus: Verse 661 Sondergut
Matthäus: Verse 1068 davon 600 von Markus, Paralelltexte: 235, Sondergut: 233
Lukas: Verse 1149 davon 350 von Markus, Paralelltexte: 235, Sondergut: 564
Johannes:
Als Sondergut bezeichnet die literarkritische Forschung zum Neuen Testament jene Texte der drei synoptischen Evangelien, die nur in einem einzigen Evangelium vorkommen, also ohne Paralleltext sind.
Als Logienquelle Q (auch Rede- oder Spruchquelle oder kurz Q für „Quelle“) wird ein Text bezeichnet, der gemäß der Zweiquellentheorie den Autoren des Matthäus- und des Lukasevangeliums neben dem Text des Markusevangeliums als zweite Quelle vorgelegen haben soll.
Kernpunkt der Zweiquellentheorie ist die Annahme, dass die Evangelisten Matthäus und Lukas zwei Quellen verwendet haben, nämlich das Markusevangelium und eine nicht erhaltene, erschlossene Quelle, die so genannte Logienquelle, abgekürzt Q.
Markus:
Die Gleichsetzung mit Johannes Markus aus Jerusalem (Apg 12,12.25; 13,5; 15,36-39; 1 Petr 5,13) ist nicht gerechtfertigt. Die Verfasserfrage ist völlig offen und nicht zu entscheiden, da der Evangelist Markus vielfältige Überlieferungen aufnimmt, sodaß aus den sprachlichen Eigenarten nicht auf eine Schriftstellerperson rückge- schlossen werden kann.
Als Entstehungszeitdes Evangeliums wird das Jahr 70 bzw. das Jahr davor angenommen. Mk 13 ist geprägt von den Erfahrungen des jüdischen Krieges (66 - 70 n. Chr.); auf die Zerstörung des Tempels (70 n. Chr.) wird aber nicht angespielt. Daher nimmt man an, das Mk-Ev sei knapp vor der Eroberung Jerusalems durch die Römer geschrieben worden.
Als Entstehungsort gilt Rom. Diese Tradition ist schon sehr alt; sie geht sicher bis auf Klemens von Alexandrien (ungefähr 140 - 216 n. Chr.) zurück.
Weil Markus häufig hebräische und aramäische Ausdrücke ins Griechische (5,41; 7,11) übersetzt und jüdische Gewohnheiten erklärt (7,3f; 15,42), wird ange- nommen, dass dieses Evangelium für Christen aus dem heidnischen Bereich des Römerreiches geschrieben worden ist.
Merksätze: Mk ist das älteste Evangelium. Es wurde um 70 n. Chr. in Rom geschrieben. Die Verfasserfrage ist nicht mehr zu klären.
Matthäus:
„Matthäus hat in hebräischer Sprache die Worte gesammelt und sie ausgelegt“. Der geschichtliche Wert dieser Notiz ist nicht groß: Das Mt-Ev ist nicht in hebräischer Sprache, sondern in griechischer Sprache geschrieben.
Auch die Vermutung, dass der Apostel Matthäus, der Zöllner (Mt 9,9), der Verfasser sei, lässt sich nach dem heutigen Stand der Bibelwissenschaft nicht mehr aufrecht erhalten. Überdies wurde die Überschrift: „Das Evangelium nach Matthäus“ wie die anderen Überschriften erst um 150 n. Chr. den Evangelien vorangestellt. Heute wissen wir, dass Mt von Mk beeinflusst ist. Es wurde sowohl der größte Teil des Mk-Stoffes übernommen als auch der Aufbau des Mk-Ev: Galiläa - Weg nach Jerusalem - die Ereignisse in Jerusalem. Mt verwendet nicht nur Mk, sondern auch eine „Spruch-“ oder „Redenquelle“ (= Q), die uns aber nicht erhalten ist, und viel Sondergut.
Weiters spricht für die Entstehung des Mt-Ev in Antiochien, dass in den Schriften des Bischofs Ignatius von Antiochien (69/70 - 107/108) das Mt-Ev bezeugt ist. Da Ignatius unter Kaiser Trajan (Regierungszeit 98 - 117) den Märtyrertod gestorben ist, muss das Mt-Ev zwischen 70 (Mk-Ev) und ungefähr 110 entstanden sein. Als wahrscheinliche Entstehungszeit werden die Jahre um 80 n. Chr. angenommen.
Als Ort, wo Mt geschrieben hat, gilt heute eine Stadt in Syrien; vielleicht war es sogar die Hauptstadt Antiochia. Für diese Stadt würde zutreffen, dass es dort eine große judenchristliche Gemeinde gab, die sich mit nichtchristlichen Juden auseinandersetzen musste.
Merksatz: Nach dem heutigen Stand der Bibelwissenschaft ist das Mt-Ev von einem unbekannten Judenchristen in Antiochien um 80 n. Chr. geschrieben worden.
Lukas:
Der Verfasser des Lk-Ev ist auch der Verfasser der Apg. Dies wurde von der Bibel- wissenschaft durch Vergleiche des Stils und des Wortschatzes bzw. wegen der theologischen Aussagen, die sich in diesem Doppelwerk finden, festgestellt.
Wer der Verfasser ist, lässt sich nicht mehr sagen; die betreffenden Quellen sind unzuverlässig.
Außerdem wird auf die medizinische Ausdrucks- weise des Lk verwiesen, die der Sprache griechischer Ärzte verwandt ist (5,12; 13,11).
Trotz der Zeugnisse von Tertullian (2./3. Jh.), Eusebius (3./4. Jh.) und Hie- ronymus (4./5. Jh.) kann die heutige Bibelwissenschaft zur Verfasserschaft des Lk- Ev nur sagen: Der Verfasser war vermutlich ein griechisch sprechender Heidenchrist.
Merksätze: Das Lk-Ev hat denselben Verfasser wie die Apg. Er war ein Heidenchrist, der in einer hellenistischen Umgebung um 80-85 n. Chr. sein Evangelium schrieb.
Johannes:
·Nach Joh ist Jesus öfter in Jerusalem (2,13; 5,1; 7,10). Nach 7,10 bleibt Jesus in Judäa bzw. in Jerusalem. Die in diesem Teil angegebenen Feste (7,2: Laubhüt- tenfest; 10,22 Tempelweihfest und 11,55: Paschafest) zeigen, dass dieser letzte Aufenthalt ungefähr ein halbes Jahr gedauert hat. Neben dem Pascha von 11,55, dem Todespascha Jesu, werden in 2,13 und 6,4 weitere Paschafeste erwähnt. Damit ist gesagt, dass Jesus bei Joh länger als zwei Jahre gewirkt hat, davon das letzte halbe Jahr ganz in Jerusalem.
Bei den Synoptikern geht Jesus aber nur einmal von Galiläa nach Jerusalem. In Mk 11-15 wirkt Jesus eine knappe Woche in Jerusalem und stirbt dann am Kreuz.